Erinnerungsmonumente der Reichsgründung von 1871 am "deutschen Strom" - das Rheinland als Memoriallandschaft des deutschen Kaisers

Datum / Uhrzeit
Dienstag, 12.02.2008, 18:00 Uhr - 00:00 Uhr

Vortrag von Herrn Georg Mölich, Landschaftsverband Rheinland:

Das spätere 19. Jahrhundert ist am Rhein im Bereich der „Erinnerungskultur“ durch die Errichtung von nationalen Denkmälern geprägt, die meist offensiv gegen Frankreich gerichtet waren und an die „ruhmreiche Zeit“ des preußisch-deutsch-französischen Krieges von 1870/71 anknüpften. Zu erinnern ist hier nur an das 1883 in Anwesenheit des Kaisers eingeweihte Niederwalddenkmal bei Rüdesheim mit seiner imposant- gigantischen Germania-Figur oder an das Denkmal der Rheinprovinz am Deutschen Eck in Koblenz für Kaiser Wilhelm I. von 1897.

Daneben gab es aber auch kommunale Denkmäler wie z. B. das ebenfalls 1897 eingeweihte Denkmal Wilhelms I. in Köln, das eine interessante Verbindung von lokaler bzw. regionaler und nationaler Memorialkultur transportierte.
Die patriotisch gedeutete Landschaft am Rhein wurde so zunehmend zur deutsch-nationalen Memoriallandschaft entwickelt – Veteranen-, Kriegerund Gesangsvereine aus ganz Deutschland „eroberten“ den Rhein mit seinen nationalen „Weiheorten“ . Die Kette von Denkmälern und Monumenten des Reichspatriotismus erstreckt sich praktisch den ganzen mittleren Rhein entlang bis hin zum Kölner Dom, der bei seiner Fertigstellung 1880 auch als Nationaldenkmal verstanden wurde.
Was am Rhein noch fehlte, war ein repräsentatives Denkmal für Otto von Bismarck, den „Reichsgründer“. Es sollte zum 100. Geburtstag Bismarcks im Jahre 1915 auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück gegenüber vom Niederwalddenkmal errichtet werden. Am Denkmalwettbewerb, dem größten überhaupt im Kaiserreich, beteiligten sich viele namhafte Architekten und Künstler aus dem gesamten Reichsgebiet. Das Ganze blieb jedoch ein unvollendetes Projekt, denn der Erste Weltkrieg entzog diesem monumentalen Denkmalsplan den Boden. Gleichwohl bleibt dieses Projekt und seine komplexe Geschichte ein herausragendes Beispiel für die intensiven Auseinandersetzungen um die regionale wie nationale „Erinnerungskultur“ an die Reichsgründung im deutschen Kaiserreich und soll deshalb im Rahmen des Vortrages ebenfalls behandelt werden.

Anschließend Gesprächsrunde

Veranstalter
Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e. V.
Veranstaltungsort
Landeshauptarchiv Koblenz
Karmeliterstr. 1/3
56068 Koblenz
Tel: 0261 9129-0