Innovation des spätmittelalterlichen Botenwesens vor der 'Thurn und Taxische-Post'

Datum / Uhrzeit
Dienstag, 10.10.2006, 18:00 Uhr - 00:00 Uhr

Herr Christian Jörg spricht zum Thema "Innovationen des spätmittelalterlichen Botenwesens vor der 'Thurn und Taxis-Post'. Möglichkeiten zur Beschleunigung des Nachrichtenverkehrs zwischen den Reichsstädten am Rhein um 1400".

Eine Nachricht von A nach B zu befördern, ist heute – im Zeitalter moderner Medienkommunikation – eine einfache und schnelle Angelegenheit: Briefpost, Fax, Telefon und neuerdings elektronische Nachrichtenversendung via Internet beschleunigen und erleichtern die Kommunikation. Auch im Spätmittelalter waren die Menschen bestrebt, ihre Nachrichten so schnell wie möglich zum Empfänger zu bringen. Von den Bemühungen zur Beschleunigung des Nachrichtenverkehrs am Rhein berichtet der Vortrag von Dr. Christian Jörg am 10. Oktober 2006 um 18 Uhr im Landeshauptarchiv Koblenz.

 

Das Relaissystem der regelmäßig auf festen Routen verkehrenden Stafettenreiter, das Ende des 15. Jahrhunderts durch die Taxis-Post im Auftrag Kaiser Maximillians I. im Reichsgebiet auch nördlich der Alpen eingeführt wurde, wird häufig als Beleg des Wandels und Fortschritts der Kommunikationsabläufe an der Wende zur Neuzeit, ja sogar als Element einer „Kommunikationsrevolution“ zu dieser Zeit genannt. Die Stafette war als nützliche Möglichkeit, den Nachrichtenverkehr effizienter und weniger langwierig zu gestalten, allerdings bereits zuvor länger bei den Mamelucken und in Italien bekannt.

 

Auch die Reichsstädte am Rhein verfügten offensichtlich spätestens an der Wende zum 15. Jahrhundert über Möglichkeiten, ihren Nachrichtenaustausch im Bedarfsfall erheblich zu beschleunigen. Das bisher kaum wahrgenommene System der beteiligten urbanen Zentren, bestimmte Nachrichten innerhalb einer Städtegruppe oder eines Städtebundes jeweils umgehend durch eigene Boten der nächstgelegenen Stadt mitzuteilen, weist ebenfalls Charakteristika einer Stafette auf. Es kam jedoch nicht permanent, sondern lediglich im Bedarfsfall zum Einsatz. Insbesondere Krisenzeiten, welche die Ausweitung und Intensivierung der kommunikativen Kontakte notwendig machten, brachten für das städtische Botenwesen erhebliche Herausforderungen mit sich.

 

Den Reichsstädten war neben den Vorgängen in ihrem jeweiligen räumlichen Umfeld aufgrund der vielfältigen und wechselseitigen Bindungen zum Königtum ein besonderes Interesse an den politischen Entwicklungen auf Reichsebene gemeinsam, weil nicht selten innerstädtische Auseinandersetzungen auf das Engste mit der Reichspolitik verknüpft waren. Vor diesem Hintergrund bieten sich die Vorgänge im Umfeld der Absetzung König Wenzels (1400) für eine Untersuchung der damaligen Kommunikationsverhältnisse geradezu an. Ihre Organisation im Umfeld des für die reichsstädtische Haltung zur Thronfrage äußerst bedeutsamen Koblenzer Städtetages vom 08. August 1400 steht als Fallbeispiel im Zentrum des Vortrages.

 

Veranstalter
Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e. V.
Veranstaltungsort
Landeshauptarchiv Koblenz
Karmeliterstr. 1/3
56068 Koblenz
Tel: 0261 9129-0