"Von den Schauern der Vorwelt umweht ..." Burgen und Schlössers an der Mosel

Datum / Uhrzeit
Dienstag, 06.05.2008, 18:00 Uhr - 00:00 Uhr

Der Vortrag von Herrn Alexander Thon präsentiert ausgewählte Ergebnisse und vergleicht die Burgen an der Mosel in ihrem heutigen Baubestand mit dem Zustand des 19. Jahrhunderts, wie er an den überaus eindrucksvollen Zeichnungen von Leopold (von) Eltester (1822-1879) deutlich wird. Die oftmals gravierenden Unterschiede verdeutlichen, welch große Bedeutung dem Bildmaterial Eltesters, dessen Nachlass im Landeshauptarchiv Koblenz verwahrt wird, für die Burgenforschung nicht nur an der Mosel zukommt.

Seit mehr als 150 Jahren erfreuen sich die Burgen an der Mosel größter Beliebtheit. Einheimische wie Touristen lassen sich von ihnen verzaubern in dem festen Glauben, bereits alles über sie zu wissen. Doch dem ist bei weitem nicht so, wie der Vortrag von Alexander Thon am 6. Mai um 18 Uhr im Landeshauptarchiv Koblenz eindrucksvoll belegen wird. Auf der Grundlage der im Landeshauptarchiv Koblenz verwahrten einschlägigen Quellen gelingt es ihm, neue und wichtige Erkenntnisse zu gewinnen, die unser Bild von den Burgen an der Mosel nachhaltig revidieren werden.
Für eine soeben erschienene, in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz erschienene Überblicksstudie wurde eine Auswahl der 30 prägnantesten Anlagen – darunter die weltbekannte Burg Eltz mit der Belagerungsburg „Trutz“- bzw. richtiger Balden- oder Neu-Eltz, die wieder aufgebaute Reichsburg Cochem, die Stadtburg in Koblenz, Kobern mit seinen beiden Burgen und der imposanten Matthiaskapelle, Wasserburg Baldenau, die zur Festung ausgebaute Grevenburg, die in ein Kloster umgewandelte Marienburg und die in ihrer Ursprünglichkeit und Anlage höchst beeindruckende Winneburg – getroffen, genauer untersucht. Dabei konnten vielfach gravierende und fast bei jeder Anlage Detailfehler – insbesondere bei der Frage der Ersterwähnung – der bisherigen Forschung korrigiert werden.
Für den Historiker ist dabei von besonderem Interesse, dass als Bauherr der Moselburgen neben den bereits hinreichend bekannten Erzbischöfen von Trier und den rheinischen Pfalzgrafen mehr als bisher auch das römisch-deutsche Königtum in Betracht gezogen werden muss: So sind beispielsweise die Koberner Burgen eindeutig als Reichsburgen entstanden. Anlagen wie die Grevenburg oder Veldenz veranschaulichen darüber hinaus eindrucksvoll die Bedeutung und Bautätigkeit der Grafengeschlechter von Sponheim und Veldenz, Pyrmont und von der Leyen in Gondorf die Ambitionen gleichnamiger edelfreier Familien, die sich seit dem späten Mittelalter dem niederen Adel zurechnen lassen.
Diese Vielfältigkeit lässt sich auch aus kunst- und bauhistorischer Sicht bestätigen: Wohnturmanlagen sind mit den Anlagen in Sommerau, dem architektonisch beeindruckenden Ramstein und im Fall des völlig veränderten Koblenz vertreten. Gerade die „Alte Burg“ in Koblenz verdeutlicht zudem anschaulich, wie tief greifend spätere Generationen einen Ursprungsbau verändern können. Möglicherweise bestand Burg Thurandt zunächst aus einem Donjon, der rudimentär erhalten ist und bislang unerkannt war. Kapellen auf Burgen sind vor allem durch die außergewöhnliche Matthiaskapelle auf der Oberburg in Kobern sowie durch die jüngst gründlich untersuchte Kapelle der Ehrenburg vertreten. Bei Burgen wie Arras, Beilstein und Cochem führte die Baubeobachtung zu neuen Datierungen der Bergfriede, wobei beim Hauptturm der Burg Cochem die stets angeführte angebliche spätere Ummantelung eines im Kern älteren Turms nicht nachzuweisen ist – im Gegensatz zum Bergfried der Burg Klotten.
Der Vortrag präsentiert ausgewählte Ergebnisse und vergleicht die Burgen an der Mosel in ihrem heutigen Baubestand mit dem Zustand des 19. Jahrhunderts, wie er an den überaus eindrucksvollen Zeichnungen von Leopold (von) Eltester (1822-1879) deutlich wird. Die oftmals gravierenden Unterschiede verdeutlichen, welch große Bedeutung dem Bildmaterial Eltesters, dessen Nachlass im Landeshauptarchiv Koblenz verwahrt wird, für die Burgenforschung nicht nur an der Mosel zukommt. Eine kommentierte Veröffentlichung im Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte ist geplant.
Der Eintritt ist kostenlos. Gäste sind wie immer herzlich willkommen! - Anschließend Gesprächsrunde.

Veranstalter
Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e. V.
Veranstaltungsort
Landeshauptarchiv Koblenz
Karmeliterstr. 1/3
56068 Koblenz
Tel: 0261 9129-0