"Starke Thürme und Burgmauern aus dem Mittelalter geben ... Beweis für die Wichtigkeit des Platzes. Burgen an der Lahn in Zeichn

Datum
Dienstag, 01.09.2009
Uhrzeit
18:00 Uhr
Vortrag von Herrn Alexander Thon, M. A., Koblenz

Zu einer umfassenden Untersuchung mittelalterlicher Burgen gehört neben dem Blick in die  Schriftquellen und den Befunden der Mittelalterarchäologie auch die Berücksichtigung historischen Bildmaterials. Für die mittelalterlichen Wehranlagen in Rheinland-Pfalz und Umgebung sind dabei insbesondere die nach Hunderten zählenden Zeichnungen des Koblenzer Archivars Leopold (von) Eltester (1822-1879) von geradezu unschätzbarer Bedeutung. Diese Zeichnungen von sehr unterschiedlicher Ausführung und Qualität, die zusammen mit Eltesters Nachlass im Landeshauptarchiv Koblenz in einem eigenen Bestand verwahrt werden, ermöglichen es der modernen Burgenforschung, auf eindrucksvollste Weise Bauzustände des 19. Jahrhunderts mit der Gegenwart zu vergleichen und vielfältigste Erkenntnisse zu gewinnen.
Konnten Eltesters Zeichnungen von Burgen in der Pfalz und an der Mosel bereits ausgewertet, ediert und kommentiert werden (s. "Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte" 2001 und demnächst 2009), so folgen nun die Abbildungen der Anlagen an der Lahn. Vorgestellt wird die ganze Vielfalt von Burgentypen und ihren Weiterentwicklungen an der Lahn. Dazu zählen die in Teilen wieder errichtete Burg Nassau (mittelbare Stammburg des heutigen Königshauses der Niederlande), die Niederungsburg Langenau, Reichsburg Kalsmunt über Wetzlar, das heute eher unscheinbare Limburg, das Burgenpaar Runkel und Schadeck, aber auch kleinere und in Seitentälern gelegene Bauten wie Ardeck, Stein, Hermannstein und die Sporkenburg. Während sich mit (Burg-)Schwalbach und Balduinstein noch Anlagen mit großteils originalem mittelalterlichem Baubestand und ohne größere spätere Veränderungen erhalten haben, dokumentieren Anlagen wie Weilburg sehr deutlich den Nutzungs- und Bauformenwandel von der Burg zum Schloss in der Neuzeit. Die vorgestellten Wehrbauten vermitteln zudem deutlich die Arbeitsweise Eltesters, der seine Skizzen meist selbst nach Autopsie erstellte, aber auch nacharbeitete oder andere Vorlagen benützte und abzeichnete.

Eine Gegenüberstellung mit anderem, zeitgenössischen Bildmaterial des 19. Jahrhunderts erweist, welch hohes Maß an Akribie dem Großteil der Zeichnungen eignet. Aktuelle Luft- und Bodenaufnahmen, die für eine soeben in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz erschienene Überblicksstudie über die Lahnburgen angefertigt wurden, ermöglichen den direkten Vergleich mit dem heutigen Zustand und dokumentieren oftmals den unwiederbringlichen Verlust historischer Bausubstanz. Eine kommentierte Veröffentlichung im Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte ist wiederum geplant.
Anschließend Gesprächsrunde.

Veranstalter
Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins e. V.
Veranstaltungsort
Landeshauptarchiv Koblenz, Karmeliterstraße 1/3