Handwerkslehrlinge am Mittelrhein. Ihre Ausbildung und ihre Elementarbildung bis ins 17. Jahrhundert

Datum
Dienstag, 02.03.2010
Uhrzeit
18:00 Uhr
Vortrag von Herrn Dr. Kurt Wesoly, Bonn

Veröffentlichungen über die Zünfte haben seit mehr als 100 Jahren Konjunktur. Auch die bis in die 1980er Jahre vernachlässigten Handwerksgesellen haben in der Zwischenzeit kompetente Bearbeiter gefunden. Dagegen fristen die Lehrlinge bis heute ein wissenschaftliches Schattendasein. Dies hat sicher damit zu tun, dass das Lehrwesen in den leicht greifbaren Zunftordnungen keine große Rolle spielt. Erst die mühselige Durchsicht von Rats-, Zunft- und vor allem von Gerichtsprotokollen ermöglicht Aussagen über die Art und die Qualität der Lehre sowie die Verhältnisse im Meisterhaus. "Lehrjahre keine Herrenjahre!" Diesen Spruch hat die Nachkriegsgeneration noch in den Ohren, aber die damalige Lehre war sicher ein Zuckerschlecken gegenüber der Verhältnissen in der Zeit, mit der sich der Vortrag beschäftigt. Der Frankfurter Rat warf den Posamentenmachern im 16. Jahrhundert vor, sie behandelten ihre Lehrlinge schlechter als ihr Vieh.
Im zweiten Teil des Vortrags geht es darum, ein Bild zu verändern, dass bis heute noch weit verbreitet ist - selbst in der Geschichtswissenschaft. Zwar ist das "dunkle Mittelalter" bereits merklich heller geworden, aber immer noch traut man großen Teilen der damaligen Bevölkerung nicht zu, dass sie lesen, schreiben oder gar rechnen konnten. Die intensive Auswertung von Zunftquellen zeigt jedoch, wie verbreitet diese Fähigkeiten gewesen sind, auch und gerade in den mittelrheinischen Städten.
Zu dem Vortrag sind auch Nichtmitglieder und Gäste herzlich eingeladen!

Veranstalter
Verein für Geschichte und Kunst des Mittelhreins zu Koblenz e. V.
Veranstaltungsort
Landeshauptarchiv Koblenz, Karmeliterstr. 1/3