Höfisches Glücksspiel – Spieltische der Roentgen-Manufaktur in Neuwied

Datum
Dienstag, 02.12.2014
Uhrzeit
18:00 Uhr
Vortrag von Herrn Bernd Willscheid, Neuwied

Seit der Antike war das Spiel um Geld weit verbreitet. Im Mittelalter galt es als „Gotteslästerung“ und „Teufelswerk“ und wurde von den christlichen Humanisten der frühen Neuzeit öffentlich angeprangert und bekämpft. Blieb das Verbot des Glücksspiels für den „gemeinen Mann“ bis in die Neuzeit bestehen, so war dieses Vergnügen ein Vorrecht der Fürsten und ihres Hofes, mit dem auch die eigene Macht und Größe demonstriert werden sollte.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Spiel verstärkt in das Hofzeremoniell eingebunden. Vor allem der Winter und die Karnevalszeit boten Anlass für beliebte Glücksspiele. Meist am Abend verwandelten sich die fürstlichen Appartements zu Spielorten. Berüchtigt war das Versailles Ludwigs XIV. (1638 – 1715), das häufig als „Spielhölle“ bezeichnet wurde. Die Einsätze waren horrend, auch wurde gemogelt.

Wurden im Mittelalter bereits für die Brettspiele mobile Spielkassetten verwendet, so spielte man nun auf Spieltischen. Als „fliegende Tische“ wurden sie bei Bedarf herbeigeholt und in den hierfür genutzten Räumen aufgestellt. Die meist im Innern des Tisches versteckten Spielfelder - vielleicht ein Hinweis auf die Debatten um Moral und Unmoral des Spiels - werden erst nach dem Aufklappen der Tischplatten sichtbar. Auch die bekannte Möbelmanufaktur von Abraham und David Roentgen in Neuwied fertigte solche Spieltische, die für verschiedene Spielarten verwandelbar sind und von denen einige sogar bei ihren bekannten Möbellotterien verlost wurden.

Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert wandelte sich die allgemeine Spielleidenschaft zum Unterhaltungs- bzw. Erziehungsspiel. Das höfische Glücksspiel wurde nun Privatangelegenheit, die Spieltische einfach und funktional.

Auch Nichtmitglieder des VGKM sind herzlich willkommen!

Veranstalter
Verein für Geschichte und Kunsts des Mittelrheins zu Koblenz e. V.
Veranstaltungsort
Landeshauptarchiv Koblenz, Karmeliterstraße 1/3, 56068 Koblenz

Anhang: