Medizin im Rheinland. Von Hildegard von Bingen bis zur embryonalen Stammzellenforschung

Datum
Dienstag, 06.03.2012
Uhrzeit
18:00 Uhr
Votrag von Herrn PD Dr. Ralf Forsbach, Siegburg

Das Spezifische rheinischer Heilkunst ist vielleicht nur, dass sie für viele Jahrhunderte repräsentativ ist – so wie das Rheinland in vielfach repräsentativ ist für die Entwicklung Europas. Das Lorscher Arzneibuch und das Wirken der Hildegard von Bingen stehen für Heilmethoden mit gutem Ruf. Manchmal brachte Krankheit mehr Leid als nötig: Als Köln 1349 von der Pest heimgesucht wurde, galten Juden als Brunnenvergifter und wurden Opfer von Pogromen. Aussätzige wurden im Mittelalter vor die Stadttore verbannt, aber im christlichen Sinne gut versorgt. Krankenversorgung und Heilung waren Aufgabe der Familien oder der Klöster. Die ländliche Krankenversorgung blieb bis weit in die Neuzeit unzureichend. Der Koblenzer Gelehrte Johannes Müller steht am Anfang der Universitätsmedizin.
Für die Psychiatrie gilt, dass die Patienten ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert zwar von den Ketten befreit wurden, sich aber als Opfer therapeutischer Experimente wiederfanden. Die Psychiatrie steht beispielhaft für das Versagen der Medizin in der NS-Zeit, auch wenn das Rheinland kein Schwerpunkt der Euthanasie-Verbrechen war. Danach erreichte die Medizin ein ungekanntes Niveau: Neben Erfolgen wie der ersten Lebertransplantation durch Alfred Gütgemann in Bonn 1969 steht aber auch eine Katastrophe wie der von der Stolberger Firma Grünenthal ausgehende Contergan-Skandal.
Zu Anfang des 21. Jahrhunderts steht die medizinische Forschung vor ethischen Fragen über Anfang und Ende des Lebens. Die embryonale Stammzellforschung tötet Embryonen in der Hoffnung, anderes Leben zu verlängern. Zwei ihrer bedeutendsten Standorte liegen im Rheinland.
Die Zuhörer erwartet also ein Überblick über ein Thema mit zahlreichen interessanten und brisanten Seiten; auch Nichtmitglieder des Vereins für Geschichte und Kunst des Mittelrheins (VGKM) sind dazu herzlich willkommen!

Veranstalter
Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e. V.
Veranstaltungsort
Landeshauptarchiv Koblenz, Karmeliterstr. 1/3, 56068 Koblenz