Die Päpstin Johanna

Datum
Dienstag, 06.11.2012
Uhrzeit
18:00 Uhr
Vortrag von Herrn Prof. Dr. Max Kerner, Aachen

Um die Päpstin Johanna gibt es seit Jahrhunderten eine vielstimmige Streitdebatte. Der Legende nach hat es in der Mitte des 9. Jahrhunderts für kurze Zeit eine Johanna als Päpstin gegeben. Die seltsame Geschichte besagt, dass diese nach zweijährigem Pontifikat während einer Prozession in Rom ein Kind zur Welt gebracht habe und danach auf der Stelle gestorben und begraben worden sei. Der Vortrag berücksichtigt neuere Überlegungen der Geschichtswissenschaften, indem er diese Fiktion als Teil der Wirklichkeit ernst nimmt: In diesem Sinne schildert er, wie aus einer im frühmittelalterlichen Rom entstandenen Lokalsage über die Jahrhunderte hinweg ein historischer Bericht geformt wurde. Dabei wird die Wirkungsgeschichte der Sage verfolgt und anschaulich gezeigt, wie die fiktive Gestalt im 13. Jahrhundert die weibliche Form des häufigsten Papstnamens – Johannes – erhielt, welche verschiedenen Gesichter die Päpstin zeigte, und wie aus der sündhaften und verruchten Päpstin der spätmittelalterlichen Debatte im 16. und 17. Jahrhundert eine Frauenfigur wurde, deren tatsächliche Existenz von den einen behauptet, von den anderen bestritten wurde. Der Vortrag liefert damit einen zentralen Beitrag zur aktuellen Diskussion um eine mittelalterliche Päpstin, in deren Gestalt sich noch heute zahlreiche Sehnsüchte bündeln.

Die Zuhörer erwartet also ein aufschlussreicher Vortrag, der zeigt, dass die Tatsachen hinter der Legende eine mindestens so interessante Geschichte liefern wie die Legende selbst; auch Nichtmitglieder des Vereins für Geschichte und Kunst des Mittelrheins (VGKM) sind dazu herzlich willkommen!

Veranstalter
Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e. V.
Veranstaltungsort
Landeshauptarchiv Koblenz, Karmeliterstr. 1/3, 56068 Koblenz